Empfehlungen zur

Pharmakologie

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Bei Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit kann Absetzen des Alkoholkonsums zu schwerwiegenden Entzugserscheinungen führen, die individuell sehr unterschiedlich ausfallen können. Eine pharmakologische Behandlung kann erfolgen, um Entzugserscheinungen herabzusetzen sowie Komplikationen akut und langfristig zu verhindern.

Pharmakologie


Hier finden Sie Empfehlungen zur

  • Wirksamkeit der Pharmakotherapie des Alkoholentzugssyndroms
  • Wirksamkeit verschiedener Medikamente zur Behandlung von Entzugssymptomen
Empfehlung Empfehlungsgrad

Wirksamkeit Pharmakotherapie unter Berücksichtigung der Entzugsschwere

Eine medikamentengestützte Alkoholentzugsbehandlung ist einer Nichtbehandlung bezüglich der Schwere der auftretenden Entzugssymptome und der Häufigkeit von Entzugskomplikationen überlegen. Eine Pharmakotherapie des Alkoholentzugssyndroms soll daher unter Berücksichtigung von Entzugsschwere und Entzugskomplikationen erfolgen.

A

Wirksamkeit Pharmakotherapie für leichte Alkoholentzugssyndrome

Leichte Alkoholentzugssyndrome können pharmakologisch behandelt werden

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Wirksamkeit Pharmakotherapie für (mittel)schwere Alkoholentzugssyndrome

Schwere und mittelschwere Alkoholentzugssyndrome sollen pharmakologisch behandelt werden.

A

Wirksamkeit Benzodiazepine

Benzodiazepine reduzieren effektiv die Schwere und Häufigkeit von Alkoholentzugssymptomen sowie die Häufigkeit schwerer Entzugskomplikationen wie Delirien und Entzugskrampfanfälle. Benzodiazepine sollen zur Behandlung des akuten Alkoholentzugssyndroms zeitlich limitiert eingesetzt werden

A

Wirksamkeit Benzodiazepine Delir

Für die Behandlung deliranter Syndrome mit Halluzinationen, Wahn oder Agitation sollten Benzodiazepine mit Antipsychotika (insbesondere Butyrophenone, wie Haloperidol) kombiniert werden.

B

Wirksamkeit Clomethiazol

Clomethiazol reduziert effektiv die Schwere und Häufigkeit von Alkoholentzugssymptomen sowie die Häufigkeit schwerer Entzugskomplikationen wie Delirien und Entzugskrampfanfälle. Clomethiazol sollte unter stationären Bedingungen zur Behandlung des Alkoholentzugssyndroms eingesetzt werden.

B

Wirksamkeit Clomethiazol im Delir

Für die Behandlung deliranter Syndrome mit Halluzinationen, Wahnsymptome und Agitation sollte Clomethiazol mit Antipsychotika (insbesondere Butyrophenone, wie Haloperidol) kombiniert werden.

B

Hinweise unerwünschte Wirksamkeit Clomethiazol

Clomethiazol soll wegen des Abhängigkeits- oder Missbrauchspotenzials und einer geringen therapeutischen Breite nicht im ambulanten Alkoholentzug eingesetzt und in keinem Fall mit Benzodiazepinen kombiniert werden. Clomethiazol ist nicht für die ambulante Behandlung des Alkoholentzugssyndroms zugelassen.

KKP

Wirksamkeit Antikonvulsiva bei Krampfanfällen*

Antikonvulsiva sollten bei erhöhtem Risiko für das Auftreten von Alkoholentzugskrampfanfällen eingesetzt werden.

*Diese Empfehlung gilt nur bei spezifischer Indikationsstellung (siehe Hintergrundtext Langfassung).

B

Wirksamkeit von Antikonvulsiva bei Alkoholentzug

Antikonvulsiva können zur Therapie leicht- bis mittelgradiger Alkoholentzugssyndrome eingesetzt werden.

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Antipsychotika

Antipsychotika wie Haloperidol werden beim akuten Alkoholdelir mit Wahn- oder Halluzinationen empfohlen, sollen aber aufgrund der fehlenden eigenen Wirkung auf vegetative Entzugssymptome mit z.B. Benzodiazepinen oder Clomethiazol kombiniert werden.

B

Beta-Blocker und Clonidin

Beta-Blocker und Clonidin eignen sich nicht zu einer Monotherapie des Alkoholentzugs- syndroms, können aber in Ergänzung zu Benzodiazepinen oder Clomethiazol zur Behandlung von vegetativen Alkoholentzugssymptomen eingesetzt werden.

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Baclofen

Baclofen sollte aufgrund der derzeitigen Studienlage nicht für die Behandlung des Alkoholentzugssyndroms eingesetzt werden.

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Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB)

GHB sollte aufgrund der Nutzen-Schaden-Bewertung nicht für die Behandlung des akuten Alkoholentzugssyndroms eingesetzt werden.

B

Alkohol als Medikament

Alkohol soll nicht für eine medizinisch überwachte Alkoholentzugsbehandlung eingesetzt werden

KKP

Andere Medikamente

Medikamente mit prokonvulsiven und anticholinergen Wirkungen wie niederpotente Antipsychotika und trizyklische Antidepressiva sollten nicht zur Behandlung von Alkoholentzugssymptomen eingesetzt werden

KKP

Tiapridex

Tiapridex kann in Kombination mit einem Antikonvulsivum zur Behandlung leichter bis mittelschwerer Alkoholentzugssymptome eingesetzt werden

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Thiamin zur Wernicke Enzephalopathie Prophylaxe

Im Alkoholentzug sollte zur Prophylaxe der Wernicke Enzephalopathie Thiamin, ggf. in Kombination mit Magnesium, gegeben werden

KKP

Thiamin bei parenterale Glukosegabe

Wenn bei Menschen mit Alkoholabhängigkeit eine parenterale Glukosegabe erfolgt, soll diese mit einer parenteralen Thiamin-Applikation kombiniert werden

KKP